Lokalisierung

Website-Lokalisierung vorbereiten – darauf solltet ihr achten

Wenn ihr eure Website für den internationalen Roll-out in verschiedene Sprachen übersetzen lassen wollt, tauchen auf einmal viele Fragen auf. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr die Lokalisierung eurer Website vorbereitet und was ihr dabei bedenken solltet.

Sarah Steinberg Sarah Steinberg
04. Dez 2023Lesezeit: ca. 8 Min.

Lernt eure internationalen Zielgruppen kennen

Wie sprechen wir unsere Kund:innen in Frankreich an? Und welche Formulierungen sollten wir in China besser vermeiden? Um die Bedürfnisse und Vorlieben eures internationalen Publikums zu verstehen, solltet ihr im ersten Schritt eine Analyse eurer Zielmärkte und Buyer Personas durchführen und alle Informationen sammeln, die für die Kommunikation wichtig sind. Am besten arbeitet ihr eng mit den Länderverantwortlichen vor Ort oder muttersprachlichen Expert:innen zusammen. Die Ergebnisse geben euch wertvolle Einblicke und können später in die Lokalisierungsbriefings einfließen.

In Kürze

  • Um das Projekt Website-Lokalisierung erfolgreich umzusetzen, bedarf es einer guten Planung.
  • Erfasst alle Inhalte, die ihr übersetzen lassen möchtet und kategorisiert und priorisiert sie.
  • Klärt die technischen Voraussetzungen und bedenkt auch das Layout.
  • Plant die technische und redaktionelle Suchmaschinenoptimierung von Anfang an mit ein

Erfasst und priorisiert eure Inhalte für die Lokalisierung

Leistungen, Landingpages, Produktseiten – um wie viel Content geht es eigentlich? Verschafft euch einen Überblick, welche Inhalte ihr auf eurer Website habt und welche davon bei einem internationalen Roll-out am wichtigsten sind. Diese werden nämlich zuerst lokalisiert. Vergesst dabei nicht die funktionalen Seiten wie 404-Seiten, Impressum, Cookies etc.

Stellt euch beim Erfassen der Inhalte folgende Fragen:

  • In welche und wie viele Sprachen wollen wir unseren Content übersetzen lassen?
    Eigentlich klar: Je mehr Sprachen ihr benötigt, desto höher sind die Kosten. Was viele jedoch nicht wissen: Der Preis für Übersetzungen variiert auch von Sprache zu Sprache – z. B. je nachdem, wie hoch der Lebensstandard im jeweiligen Land ist. So liegt der Preis für eine Lokalisierung ins Polnische bei ca. 0,18 Euro – für Norwegisch oder etwa Koreanisch landet ihr bei ca. 0,255 Euro pro Wort.
  • Sind alle Inhalte für alle Länder relevant?
    Gibt es Content, der für einen bestimmten Markt nicht relevant ist, zum Beispiel, weil sich das Produkt dort nicht verkaufen würde, oder weil Inhalte wie Stellenausschreibungen oder Veranstaltungen nicht überall interessant sind? Dann müssen die Inhalte nicht in diese Sprache übersetzt werden.

Es kann sinnvoll sein, nicht alles auf einmal zu übersetzen, sondern erstmal mit einer Sprache zu beginnen und die anderen Zielmärkte nach und nach anzugehen. Die Vorteile eines langfristigen Lokalisierungsplans: Ihr könnt die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auf die anderen Sprachen übertragen und profitiert von eingespielten und effizienten Prozessen.

Was ist mit multimedialen Inhalten wie Bildern und Videos?

Neben den Webtexten stellt ihr eurem Publikum meist noch andere Inhalte zur Verfügung wie Infografiken, betextetes Bildmaterial etc. – vielleicht ist das Herzstück eurer Kampagne ein Video? In solchen Fällen stehen Multimedia-Lokalisierungen an. Reserviert am besten einen Teil eures Lokalisierungsbudgets für diese Art von Inhalten.

Google-Suchergebnisse zum Begriff Frau in Deutschland und Südkorea.

Bei Multimedia-Lokalisierungen stellt sich immer die Frage: Wie stark sollen Bilder und Videos lokalisiert werden? Sollen beispielsweise nur die Bildbeschreibungen und ALT-Texte übersetzt werden oder muss das Bildmaterial selbst neu recherchiert werden, um den Wiedererkennungswert für die Zielgruppe zu erhöhen? Brauchen Videos Untertitelung, ein Voiceover, Synchronisation oder gar eine komplette Neuproduktion? Legt solche Kriterien im Zuge eurer Lokalisierungsstrategie fest – am besten schriftlich.

Legt eine Übersetzungsdienstleistung fest

Eine Website enthält verschiedene Arten von Texten. Einige vermitteln Zahlen und Fakten, andere sollen emotional ansprechen und zum Kauf anregen. Um diese Wirkung zu erzielen, kann man die Inhalte bei der Übertragung von einer Sprache in eine andere je nach Zweck unterschiedlich anpassen.

Zwei Beispiele:

  1. Ein Slogan soll emotional wirken.
    Anstatt den deutschen Slogan: „Haribo macht Kinder froh, und Erwachsene ebenso“ wortwörtlich ins Italienische zu übersetzen, wurde der Text an die Melodie des Jingles angepasst: „Haribo è la bontà, che si gusta ad ogni età“ was „Haribo ist ein Genuss in jedem Alter“ bedeutet. Gleiches gilt für die spanische („Vive un sabor mágico … ven al mundo Haribo“, auf Deutsch: „Erlebe einen magischen Geschmack … komm in die Haribo-Welt“) und US-amerikanische Version („Kids and grown ups love it so … the happy world of Haribo“, auf Deutsch: „Kinder und Erwachsene lieben sie so … die fröhliche Welt von Haribo“). So blieb die emotionale Wirkung der Markenbotschaft sprachübergreifend erhalten und ein internationaler Wiedererkennungswert wurde geschaffen.
  2. Eine Bedienungsanleitung hingegen ist maximal faktenorientiert.
Junge Frau mit Headset lacht vor dunkler Wand.

Website lokalisieren lassen

Damit Kund:innen sich bei euch wohlfühlen: Wir bieten Lokalisierungen für Websites in über 30 Sprachen.

Englische BedienungsanleitungDeutsche Übersetzung
Plug in the power cord to the electrical outlet. Turn on the device by pressing the power button. Follow the on-screen instructions to complete the setup. Your device is now ready to use.Stecken Sie das Netzkabel in die Steckdose. Schalten Sie das Gerät ein, indem Sie die Ein-/Aus-Taste drücken. Befolgen Sie die Bildschirmanweisungen, um die Einrichtung abzuschließen. Ihr Gerät ist jetzt einsatzbereit.

Der Grad der Anpassung erfordert unterschiedliche Dienstleistungen mit unterschiedlichen Preisen: vom Wortpreis im Cent-Bereich bis hin zum Stück- oder Stundenpreis. Alle Anpassungsstufen haben ihre Daseinsberechtigung. Ihr solltet euch also vorher überlegen, ob und für welche Inhalte ihr Übersetzungen oder Lokalisierungen benötigt.

Illustration zu Anpassungsstufen im Übersetzungsprozess

Wenn ihr euch nicht sicher seid, welche Anpassungsstufe am besten für eure Website-Inhalte geeignet ist, haben wir hier ein paar Vorschläge:

Übersetzungen für Produkttexte, Verträge oder Datenblätter

Eine Übersetzung überträgt den ursprünglichen Content sinngemäß und korrekt in die gewünschte Sprache, wobei der Inhalt unverändert bleibt. Sie eignet sich am besten für Texte, bei denen die bloßen Fakten im Vordergrund stehen, wie Produktbeschreibungen, AGB oder technische Datenblätter.

Lokalisierungen für Landing Pages, Blogbeiträge und Co.

Bei einer Lokalisierung wird der Ausgangstext nicht nur übertragen, sondern auch an die kulturellen Besonderheiten (z. B. Dialekt, Feiertage, Essgewohnheiten, Farbsymbolik, Religion etc.) und die geografischen Gegebenheiten (z. B. Klima, Flora und Fauna, Zeitzonen, Verkehrssysteme etc.) des Zielmarktes angepasst. Zum Beispiel dürften die User:innen in Australien keine „weiße Weihnachten“ erwarten.

Solche Details sind wichtig für das Verständnis der Texte. Lokalisierungen eignen sich am besten für Websiteinhalte, Apps, Blogbeiträge, Whitepaper und Marketingunterlagen. Inhaltlich und strukturell orientieren sie sich am Original, werden aber so an die Zielgruppe angepasst, dass sie muttersprachlich und wie für den jeweiligen Markt geschrieben wirken.

Transkreation für Markenbotschaft und Claims

Claims sollen emotional wirken oder Reaktionen auslösen. Häufig spielen dabei kulturelle Anspielungen oder Wortwitz eine Rolle, bei der eine Lokalisierung zu kurz greifen würde. Transkreation ist die Kombination aus den Begriffen Translation und Kreation und kann als kreative Übersetzung oder Adaption bezeichnet werden. Sie löst sich relativ stark vom Originaltext, ohne seinen Sinn zu verändern, und passt ihn kreativ an den jeweiligen Zielmarkt an. Eine Transkreation kann dann sinnvoll sein, wenn der Zielmarkt eine andere Ausrichtung verlangt und beispielsweise neue Inhalte recherchiert werden müssen.

Textneuerstellung, wenn neue Inhalte nötig sind

Manchmal sind länderspezifische Seiten oder Blogbeiträge nötig, die in der Ausgangssprache nicht existieren. Zum Beispiel, wenn sich die rechtlichen Bestimmungen oder Bestellprozesse in anderen Ländern unterscheiden oder ihr mit einer internationalen Keyword-Recherche neue Themengebiete identifiziert. Wenn kein Ausgangstext vorliegt oder ein anderer Markt neue Inhalte erfordert, kann sich eine Textneuerstellung in der jeweiligen Sprache lohnen.

Sowohl für die Transkreation als auch für die Textneuerstellung ist ein ausführliches Briefing mit Ziel, Tone of Voice und Glossarvorgaben nötig.

Beachtet die technischen Voraussetzungen

Auch, wenn es nicht jedermanns Lieblingsthema ist: Die Klärung der technischen Voraussetzungen ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Website-Lokalisierung.

Flexibles CMS …

Die meisten Content-Management-Systeme verfügen mittlerweile über die wichtigsten Funktionen zum Veröffentlichen mehrsprachiger Websites. Wichtig ist unter anderem, dass euer CMS den Unicode (Unicode-Format UTF-8) unterstützt, damit unterschiedliche Sprachzeichen optisch auf verschiedenen Plattformen dargestellt werden können. Außerdem wäre es gut, wenn ein Translation Management System (TMS) vorliegt oder integriert werden kann.

GUT ZU WISSEN:

Mit der Internationalisierung eurer Website sorgt ihr dafür, dass sich alle Inhalte wie Sprache, Bilder oder Design leicht an die Anforderungen verschiedener Zielmärkte anpassen lassen.

… mit entsprechenden Plug-ins

Um Zeit und Kosten zu sparen, ist es sinnvoll, die Inhalte für die Lokalisierung nicht händisch im CMS zu pflegen, sondern automatisch ein- und auszulesen. Dank spezieller Plug-ins, Konnektoren, API oder Proxy-Server lassen sich alle Texte in übersetzungsfreundlichen Dateiformaten wie XML oder XLIFF exportieren und wieder importieren – so gelingt etwa der WordPress-Import/Export in wenigen Schritten.

Das bedeutet, ihr könnt euren Dienstleister:innen die zu übersetzenden Texte schnell und unkompliziert zur Verfügung stellen. Sie binden die Dateien in ihre CAT-Tools (Computer-Aided-Translation-Tools) ein und beginnen mit der Arbeit. Anschließend importiert ihr die fertigen Inhalte wieder. Der Vorteil: Es geht schnell und ihr vermeidet unnötige Übertragungsfehler.

Tipp: Vor der Übersetzung solltet ihr unbedingt einen Export-und-Import-Testlauf mit einer Pseudoübersetzung durchführen, um zu prüfen, ob die technische Umsetzung funktioniert und um potenzielle Probleme mit der Zeichencodierung, der Textlänge, der Formatierung und anderen technischen Aspekten zu identifizieren.

Vergesst die Suchmaschinenoptimierung nicht

Das Thema SEO (Suchmaschinenoptimierung) solltet ihr so früh wie möglich mitdenken. Schließlich wollt ihr auch in anderen Ländern mit euren Inhalten von potenziellen Käuferinnen und Käufern online gefunden werden. Man unterscheidet zwischen technischer und redaktioneller SEO.

Technische SEO

hreflang-Attribut
Das hreflang-Attribut ist ein HTML-Attribut, das ihr benötigt, wenn es mehrere Versionen einer Seite in verschiedenen Sprachen gibt. Es teilt den Suchmaschinen mit, welchem Land und welcher Sprache eine URL zugeordnet ist. So werden etwa eurer mexikanischen Zielgruppe nur die für sie relevanten Seiten in den Suchmaschinen angezeigt. Das hreflang-Attribut wird im jeweiligen Head-Bereich der Seite hinterlegt.

Domain-Strategie
Wenn es um die technischen Voraussetzungen für die Website-Lokalisierung geht, solltet ihr euch Gedanken über eine eindeutige URL-Struktur machen. Grundsätzlich gibt es drei Domain-Strategien, die ihr wählen könnt:

  1. Top-Level-Domain-Strategie: eine Domain pro Land
    Beispiel: kolibri-online.de, kolibri-online.fr, kolibri-online.uk etc.
  2. Subdomain-Strategie: eine Domain mit Subdomains pro Land
    Beispiel: de.kolibri-online.com, fr.kolibri-online.com, uk.kolibri-online.com etc.
  3. Ordner-Strategie: eine Domain mit Unterordnern pro Land
    Beispiel: kolibri-online.com/de, kolibri-online.com/fr, kolibri-online.com/uk etc.

Redaktionelle SEO

Allein die Lokalisierung zu optimieren, bringt keinen ultimativen Traffic. Damit Inhalte auch im Zielmarkt ranken, sollte bereits der Ausgangstext den aktuellen SEO-Anforderungen entsprechen. Hier gilt es also zu prüfen: Ist der Text bereits hinreichend optimiert? Besteht beispielsweise eine durchdachte Überschriftenstruktur mit den entsprechenden Suchbegriffen? Gibt es ein Keyword-Set? Gibt es Meta-Daten? Bilder-SEO? Oder muss gegebenenfalls noch einmal nachgebessert werden?

Wenn der Ausgangstext optimiert ist, empfehlen wir für die Übersetzung im Vorfeld eine Keyword-Lokalisierung, bei der die Keywords auf ihre Relevanz im Zielland geprüft werden. Es ist wichtig, den genauen Bedarf vor der Lokalisierung zu klären: Lieber einmal den Ausgangstext überarbeiten, als nachträglich alle Lokalisierungen anpassen zu müssen. So lassen sich Kosten vermeiden.

Ihr benötigt Hilfe bei der Website-Lokalisierung?

Wir unterstützen euch! Schickt uns einfach eine unverbindliche Anfrage und wir melden uns schnellstmöglich zurück.

Achtet auf eine gute Darstellung der lokalisierten Inhalte

Ein ansprechendes, intuitives und gebrauchsfreundliches Layout ist für den Erfolg einer Webseite sehr wichtig. Doch wie sieht es bei mehrsprachigen Websites aus? In arabischen Ländern liest eure Zielgruppe Texte nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links. Deutsche Texte sind im Schnitt etwa 1,4-mal länger als das englische Pendant, italienische Texte nur etwa 0,8-mal so lang.

Hier sollten Designer:innen, Programmierer:innen und Redakteur:innen möglichst eng zusammenarbeiten, damit euer Layout solche Texterweiterungen und -verkürzungen flexibel darstellen kann.

Tipp: Für ein optimales Zusammenspiel von Design und Inhalt empfehlen wir, dass Übersetzer:innen den Text noch einmal im fertigen Layout prüfen, um eventuelle Unstimmigkeiten auszubessern.

Plant interne Ressourcen für die Abnahme ein

Da es um euren Content geht, habt ihr natürlich das letzte Wort. Überlegt euch vorab, wie ihr die Inhalte in den verschiedenen Sprachen überprüfen und abnehmen könnt und wie viel Zeit ihr dafür benötigt. Hier ist eine realistische Planung wichtig.

Es hilft der Qualität enorm, wenn ihr eure Länderverantwortlichen oder Muttersprachler:innen wieder mit einbezieht. Im besten Fall haben sie bereits ein Briefing oder wissen selbst, worauf es bei den Texten ankommt. Außerdem geben sie wertvolles Feedback, das für den weiteren Projektverlauf hilfreich sein kann.

Gut vorbereitet zur erfolgreichen Website-Lokalisierung

Eine gute Vorbereitung ist das A und O für den reibungslosen Ablauf und schließlich auch den Erfolg eurer Website-Lokalisierung. Dazu gehören nicht nur eine Analyse der Zielmärkte und das Sichten der eigenen Inhalte, sondern auch das Klären der technischen Voraussetzungen und Absprachen mit den Länderverantwortlichen. Erstellt am besten einen Lokalisierungsplan, in dem ihr alle Informationen zusammentragt und eure Lokalisierungsstrategie sowie eure Ziele schriftlich festhaltet.

Autorin

Sarah Steinberg

Sarah ist seit 2018 Redakteurin bei Kolibri Online – erst für Kund:innen aus verschiedenen Branchen, dann für unser Kolibri-Eigenmarketing. Vor ihrer Zeit in der Hamburger Agenturlandschaft hat sie Medienwissenschaften und Soziologie studiert und ihr Volo bei einem Hörbuchverlag gemacht. Heute versorgt sie unsere Leser:innen mit Inhalten zu Content Marketing, SEO und B2B-Kommunikation.

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